Lyrische Momentaufnahmen zwischen Traum, Stille und Wirklichkeit.
4. Oktober
Wo des Sommers bunte Blumen welken,
kriecht Nebel über Wald und Feld.
Auch die Sonne bricht schon viel zu selten,
in des Herbstes kühle Welt.
Einsam steht die alte Eiche,
vor einem Turm, am Waldesrand.
Vom ersten Sturm gezerrt die Zweige,
des Nachts verschleiert vom Nebelgewand.
8. November
Tanzend fallen herab die Blätter,
abgeschüttelt hat’s der kalte Wind.
Des Baumes Kleid wird täglich lichter,
behutsam scheint’s, doch es geht geschwind.
Und wenn nach dieser frostig kalten Nacht,
im seidenen Glanz die Eiche darf sich zeigen,
erfreut ein jeder sich dieser Pracht.
die nur der Herbst kann zeichnen.
12. Dezember
Der erste Schnee fiel in der Nacht.
Der Baum im weißen Kleid sich zeigt.
Er funkelt und glitzert, oh welche Pracht,
doch leider nur für kurze Zeit.
Sein Glanz, schon bald war er entschwunden,
ein letztes Blatt, verblieb am dünnen Stiel.
Man glaubt, es wäre fest gebunden,
so mutig flattert es im Windes Spiel.
21. Dezember
Stürme brausen über Berg und Tal,
so zieht der Herbst von dannen.
Kein Blatt mehr hängt mit einem Mal,
am Baum, dem gänzlich kahlen.
Silbern glänzend steht der volle Mond am Himmel,
kleine Wolken, zuweilen, sie ziehen an ihm vorbei.
Kann so genießen, diesen wundervollen Augenschein,
er taucht mich ein, in die Unendlichkeit des Seins.
Danach verweile ich am Ufer eines Flusses.
Dort umströmt mich der Wellen Klang.
In der Tiefe blauschwarze Strudel kreisen,
von sich gebend einen betörenden Gesang.
Es leuchtet, blinkend überm Firmament.
Sterne, Sternchen tausendfach.
Welch glanzvolle Pracht, die staunend mich ergreift,
was sonst nur ein Traum, mir hätte gereicht.
Um mich beginnt das Leben neu zu erwachen.
Erst unmerklich, dann, sanft sich ausbreitend.
Es summt, es brummt, es zwitschert und zirpt,
immer bunter und lauter es für sich wirbt.
Es folgt ein Crescendo des beginnenden Morgens.
Nie gleich, sondern stets neu komponiert.
Ich vernehme den Klang der himmlischen Harfe,
vom rötlich schimmernden Firmament serviert.
So lausche ich der Vielfalt der Stimmen der Nacht.
Sie klingenrein und unverfälscht,
fast mystisch, wie aus einer anderen Welt.
Sie werden schwächer, als das Licht den Morgen erhellt.
Schon fühle ich die Wärme der aufgehenden Sonne.
Ihre Strahlen erwecken in mir neue Kraft.
Sie wirken wie ein Zaubertrank des Lebens,
vorbei ist mein Traum der Nacht.
„Lyrik ist die Kunst, mit wenigen Worten das auszudrücken, wofür andere Seiten brauchen.“