Marco Moreno

Schriftsteller

Willkommen

Wer träumt als junger Mensch nicht davon, die Welt zu verbessern? Auch Marco Moreno tat dies und tut dies auch heute noch. Begonnen hat es während seiner Studentenzeit. Hier waren es vor allem die fortschreitende Umweltzerstörung und der maßlose Ressourcenverbrauch, gegen die er etwas unternehmen wollte. Aber auch für politische Reformen im Bereich Mitbestimmung und soziale Gerechtigkeit trat er ein. Aus dieser Zeit stammten dann auch die ersten Ideen für einen großen Roman und sein Faible für das Schreiben.

Erschienen ist jetzt sein Band mit 13 Kurzgeschichten unter dem Titel „Wunder hinter Wolken“. Es sind besondere Geschichten, die das Leben so hätte schreiben können. Sie spielen zum Teil in der Rhein-Main-Region, wie in Wiesbaden, Hofheim oder Limburg, aber auch an anderen nationalen und internationalen Orten. Verarbeitet hat Moreno darin mitunter auch sensible zeitgeschichtliche Themen, wie Zwangsadoptionen in der ehemaligen DDR, aber auch historisches, wie die Entdeckung eines Briefes, den Jesus kurz vor seinem Tod an seinen Jünger Johannes richtete.

Über mich

Marco Moreno lebt in Waldems im Taunus. Er wurde 1953 in Bad Mergentheim, Main-Tauber-Kreis, geboren. Moreno studierte Betriebswirtschaft und arbeitete von 1981 bis 2006 in leitender Funktion als Finanzanalyst bei einer Großbank in Frankfurt am Main. Von 2006 bis 2016 war er als Finanzplaner und Beteiligungsmanager in der Stadtverwaltung der Kreisstadt Hofheim am Taunus tätig. Seit Anfang 2017 ist er im Ruhestand und widmet sich jetzt mehr seiner Passion, dem Schreiben.


Fragen an den Autor:

Wie kamen Sie zum Schreiben?

Moreno:Schon im jugendlichen Alter entwickelte ich in meiner Phantasie Geschichten aus imaginären Bildern. Hinzu kam ein besonderes Interesse für Geschichte, Naturwissenschaften und Zukunftsfragen, aber auch für gesellschaftspolitische Themen. So entstanden einige Skizzen, die ich berufsbedingt erst viel später zu Geschichten und einem Roman ausarbeiten konnte.

 

Wie kamen Sie auf die Idee, Zeitgeschichtliches, Historisches und Zukunftsfragen miteinander zu verknüpfen?

Moreno:Dies sind alles Themen, die mich sehr bewegen und interessieren. Diese in einer spannenden und dramatischen Familiengeschichte, die in der Zeit von 1975 bis 2015 und im dritten Teil in der Zukunft spielt, mit ungewöhnlichen Erlebnissen der Protagonisten zu verweben, war mein Ansatz. Das Ergebnis sind drei bewegende Romane mit unterschiedlichen Handlungssträngen und Genres, wie Thriller, History, Love-Story, Familiengeschichte und schließlich im 3. Teil als Fiktion mit einem Blick in die Zukunft unserer Gesellschaft.

Wie kommt man als eher nüchterner Finanzmensch zu solchen außergewöhnlichen Geschichten?

Moreno: Da scheine ich vorbelastet zu sein, an Fantasie mangelt es mir nicht, und das Schreiben liegt mir. Dabei lege ich auch besonderen Wert auf eine fundierte Recherche zu den geschichtlichen, religiösen und wissenschaftlichen Themen, die ich oft in meinen Geschichten und Romanen verarbeite. Dennoch kommt die Spannung nicht zu kurz. Ich verspreche Spannung von der ersten bis zur letzten Zeile. Leserinnen und Leser, die die Romane von Dan Brown (z. Beispiel Sakrileg oder Das verlorene Symbol) oder Andreas Eschbach (z.B. Das Jesus Video) lieben, werden auch von meinen Romanen begeistert sein. Dabei ist es mir wichtig, meinen Leserinnen und Lesern einen lebendigen Eindruck der Geschehnisse zu vermitteln und reale Bezüge über das Einflechten authentischer Ereignisse herzustellen.

Romane

Das geheimnisvolle Marderkopfamulett

(Thriller, Abenteuer- und Familiengeschichte)

Teil 1 „Die Suche nach der verborgenen Wahrheit“:

Die Handlung des Romans beginnt im Jahre 2004. Erzählt wird im Rückblick die Geschichte des Geologen Tommy Wagner, der 1980 nach seinem Studium nach Kanada ging und dort bei einer Minengesellschaft auf Neufundland zu arbeiten begann. Kurz darauf lernt er die 17jährige Julie kennen und lieben. Julie hat eine besondere Begabung: Sie kann den bevorstehenden Tod ihr nahestehender Menschen voraussehen. Nur wenige Wochen nach dem Kennenlernen verschwindet sie zusammen mit ihren Eltern spurlos. Tommy wird kurz danach von seinem Arbeitgeber mit der Suche nach Metallvorkommen im unbewohnten Hinterland von Labrador beauftragt. Er wird dabei von zwei Kollegen begleitet. Das Team erlebt auf dieser Mission etwas Unglaubliches. Nach ihrer Rückkehr nehmen Tommy und einer der beteiligten Kollegen dies zum Anlass, nach möglichen Beweisen zu suchen, die das Erlebte würde bestätigen können. Sie suchen jahrelang in mehreren Ländern und verschiedenen Archiven, darunter auch im Geheimarchiv des Vatikans. Was sie nicht wissen, es gibt im Hintergrund eine unbekannte Organisation, von der sie überwacht werden.

Ihre Suche ist begleitet von zahlreichen besonderen Erlebnissen aber auch einigen herben Enttäuschungen. Und sie machen mehrere sensationelle Entdeckungen, wonach die Menschheitsgeschichte umgeschrieben werden müsste. Schließlich finden sie 1991 im Irak bei einer Ausgrabung tatsächlich einen eindeutigen Beweis. Auf dem Transport des Objektes nach Bagdad wird ihr Fahrzeug mit Absicht von einem LKW gerammt. Tommy kommt dabei ums Leben, sein Kollege David überlebt schwerstens verletzt. Das mitgeführte Beweisstück ist seither verschwunden.

Tommys bester Freund in Deutschland, Chris Egner, der von Tommy stets über alle Entwicklungen informiert worden war, kann später zwar eine Spur zu den Hintermännern des Anschlages finden, aber damit nichts mehr ausrichten. Erst im Jahre 2004 wendet sich das Blatt. Am Grabe von Tommy trifft Chris auf ein junges Paar aus Kanada. Der junge Mann, Tom Coleman, sieht Tommy frappierend ähnlich.

 

 

Teil 2 „Spurlos verschwunden“:

Der zweite Teil beginnt im Jahre 2011. Aufgeklärt wird darin die Geschichte von Julie, die 1980 zusammen mit ihren Eltern spurlos verschwand. Hauptprotagonist ist Tom Coleman, der mit seiner Frau und der kleinen Tochter Lilly in der Nähe von Würzburg lebt. Tom ist Vulkanologe und leitet im geologischen Institut der Uni Würzburg ein Forschungsprojekt. Durch seine hohe berufliche Belastung ist seine Ehe in eine ernste Krise geraten, was seine Frau veranlasst, mit der Tochter zu ihren Eltern nach Kanada zurückzukehren. Danach überschlagen sich für Tom die Ereignisse. Im Rahmen eines Besuches chilenischer Vulkanologen lernt Tom Constanza, eine junge chilenische Kollegin, kennen. Zwischen Tom und Constanza funkt es bereits nach der ersten Begegnung. Zudem meldet sich bei Tom ein kanadischer Detektiv, den 1999 seine verschwundene Mutter beauftragt hatte, nach ihm zu suchen. Die Kontaktaufnahme scheiterte damals allerdings und auch seine Verbindung zu Toms Mutter riss ab. Erst jetzt, im Ruhestand, unternahm der Detektiv einen erneuten Versuch. So erfährt Tom, dass sein Großvater von einem ausländischen Geheimdienst aufgespürt wurde und die Familie deshalb Hals über Kopf fliehen musste. Seine Mutter gelangte später alleine in den Süden nach Mexikos, wo sie zuletzt als Ärztin in einem Armenkrankenhaus gearbeitet hatte. Nachdem dort am Neujahrstag 1994 der blutige Aufstand der „Zapatistischen Armee“ begonnen hatte, half Julie den Aufständischen und versorgte im Urwald die verletzten Zapatisten medizinisch. Um sich vor den brutalen Angriffen der mexikanischen Armee zu schützen, floh sie mit einer kleinen Gruppe in den tiefen Urwald. Tage später gelangte die Gruppe in ein unbekanntes, seit mehreren hundert Jahren isoliertes Maja-Dorf. Dort verbrachte sie über zwei Jahre. In dieser Zeit lernte sie die einzigartige Kultur der Majas kennen und erfuhr eine ganze Menge über deren Geschichte. Um herauszufinden, was danach alles geschah, fliegt Tom zusammen mit Constanza nach Mexiko. Die Spurensuche der beiden bringt einige Überraschungen ans Tageslicht. Aber nicht nur das. In einem zweiten Handlungsstrang geht es um ein militärischen Geheimlabor, wo zufällig ein Mittel entdeckt wurde, das Menschen nicht mehr altern lässt.

 

Teil 3 „2092“:

Im Jahr 2092 reist Lilly Coleman zusammen mit ihren beiden 18 und 20 Jahre alten Enkelinnen nach Chile zu ihrer Halbschwester Mayela. Diese feiert ihren 80. Geburtstag. Lilly und Mayela nehmen dies zum Anlass, um auf ihr bisheriges ereignisreiches Leben zurückzublicken. Während Lilly als Wissenschaftlerin und Beraterin einer Regierung in Ethikfragen tätig war, wuchs ihre Halbschwester Mayela in einem Mapuche-Dorf in Chile, bei einer Schamanin auf, im Glauben, diese wäre ihre Großmutter. Erst als junge Frau erfuhr Mayela etwas über ihre wahre Herkunft. Ihr weiteres Leben war begleitet von ihrem unermüdlichen Einsatz für mehr Mitmenschlichkeit und soziale Gerechtigkeit sowie ihrem Kampf gegen den in den Gesellschaften stark verbreiteten Egoismus, der am Ende für den Klimawandel und die damit einhergehende fortschreitende Umweltzerstörung mitverantwortlich war und noch immer ist. So erfahren die beiden jungen Frauen aus unterschiedlichen Blickrichtungen, wie dramatisch sich die Welt und die Lebensbedingungen für ihre Großmutter und deren Schwester in den letzten 70 Jahren verändert haben. Zwar wurde inzwischen einiges erreicht, aber der Temperaturanstieg konnte noch nicht zum Stillstand gebracht werden. Viele Regionen der Erde werden deshalb noch für lange Zeit unbewohnbar bleiben.

Erzählungen

Ein Traum wird wahr?

Dank der Einladung eines armenischen Kommilitonen kam unsere kleine Studenten-Folk-Band 2004 nach Armenien. Dort gaben wir für die uns erwiesene Gastfreundschaft in der Kirche eines kleinen Dorfes ein Konzert. Danach wurden wir von einem jungen Mann auf Deutsch angesprochen. Er fand das toll, dass wir heute einen solchen Austausch pflegen können. Leider ist das nicht überall so, meinte er. Sorgen bereiten ihm, dass in vielen sozialen Schichten unserer Gesellschaft wieder mehr Egoismus und Hass auf Andersdenkende sowie radikale Tendenzen sich ausbreiten anstatt Toleranz und Friedfertigkeit. Er sagte wörtlich: »Wir sind zwar im Denken frei, können aber oft unsere Gedanken nicht mehr frei aussprechen, weil wir befürchten müssen, dass uns dann Hass entgegenschlägt. Ich wünsche mir deshalb, wir alle könnten fliegen, frei sein wie ein Vogel, könnten alle Grenzen dieser Welt überwinden und uns frei entfalten. Wenn ich bei klarem Wetter in der Ferne am Horizont die schneebedeckten Gipfel des kleinen und großen Ararat erblicke, träume ich davon, auf dem Rücken eines Kranichs unbeschwert auf den Gipfel des Ararat fliegen zu können.«
  Ich antwortete dem jungen Mann: »Der Geist, der hinter deinem Wunsch steckt, lässt mich hoffen, dass wir einst Grenzen friedlich überwinden und uns die Hände über Grenzen hinweg zur Versöhnung reichen werden. Eine befestigte Grenzanlage, die dazu dient Kontakte mit Nachbarn auf der anderen Seite zu verhindern, nur weil dort eine andere Kultur gepflegt wird oder ein anderes politisches System besteht, ist etwas absolut Unnatürliches und wird niemals ewig halten. Ich hoffe, es gibt auf dieser Welt viele mutige Menschen, wie dich, die bereit sind, Mauern einzureißen und alte Vorurteile über Bord zu werfen. Diesen Menschen müssen wir helfen und die Botschaft vermitteln, dass wir Freundschaften, weltumspannend, zu anderen Kulturen anstreben. Dafür machen wir unsere Musik. Wir sind davon überzeugt, dass Menschen nicht von Natur aus gewaltbereit sind, sondern es ihnen anerzogen worden ist. Somit lässt es sich ändern. Wir müssen deshalb Friedfertigkeit vorleben, indem jeder von uns unvoreingenommen auf seine Mitmenschen zugeht und sich für Frieden, Freiheit und Nächstenliebe einsetzt. Und wenn wir davon auch andere Menschen überzeugen können, dann werden hoffentlich einst unsere Kinder und Enkel in einer besseren, friedlicheren Welt leben. Wenn wir das erreichen würden, wäre das großartig. Heute haben wir, so denke ich, einen ersten Schritt dazu getan.«
  »Oh, deine Worte verbreiten Hoffnung und Mut zugleich«, begann der junge Mann. Sein Gesichtsausdruck hatte sich schlagartig verändert. Er zeigte sich freudig und mutig zugleich: »Danke! Ich werde meine Freunde ansprechen, um ihnen auch Mut zu machen. Und wenn jeder meiner Freunde wiederum seine Freunde anspricht, dann werden wir eine Lawine lostreten. Zusammen sind wir stark. So stark, dass wir damit den Hass in der Welt überwinden können.« Die Worte und die Einstellung des jungen Mannes hatten mich tief berührt. Ich wünsche mir, dass sein Bemühen nicht durch die vielen Gleichgültigen wieder zunichte gemacht wird. Leider gibt es auch auf unserem Planeten noch immer einige autoritäre und menschenverachtende Systeme, wo selbstherrliche Diktatoren ihr Volk unterdrücken und ausbeuten. Solchen Systemen müssen wir alle entschieden entgegentreten. Dabei darf aber Krieg und Gewalt niemals Mittel zum Zweck sein. In einem Krieg gibt es meist nur viele sinnlose Opfer. Dazu fiel mir ein Gedicht ein, das ein junger Soldat, der in einem unmenschlichen Krieg sein junges Leben lassen musste, einst seiner Mutter geschrieben hatte:
 
Mutter, warum nur hast du mich in diese Welt geboren?
Eine Welt der Verdammnis und Dunkelheit.
Warum nur haben sie so viele Menschen verloren,
die Kraft der Liebe und die Barmherzigkeit?
 
Im Traum sah ich mich die Tore der Hoffnung öffnen,
sah im Lichte ein freies Land.
Kein Hass und keine Verblendung dort regieren,
nur grenzenlose Liebe es umspannt.
 
Dies ist das Land, für das es sich lohnt zu streiten,
nicht mit Waffen, sondern mit Herz und Verstand. 
Und nur gemeinsam können wir das erreichen,
Brüder und Schwestern gebt euch die Hand!
 
Unserer Unterhaltung hatte auch ein in der Nähe stehender älterer Mann zugehört. »Das war großartig«, rief er und kam zu mir. Er war sehr bewegt, als er zu mir sagte, »In Ihren Worten liegt so viel Hoffnung. Sie werden unseren Töchtern und Söhnen Mut machen. Ich muss gestehen, ich hatte diese Hoffnung schon lange verloren, weil wir es in unserem Schmerz verlernt haben, zu verzeihen. Aber wenn wir es fertig bringen, unseren Kindern die Werte der Liebe, der Gewaltfreiheit vorzuleben und sie dazu anhalten, ihren Mitmenschen Achtung und Wertschätzung zu erweisen, dann ist mir nicht mehr bange. Ich sehe bereits das Licht dieses von Ihnen erträumten Landes in der Ferne. Noch ist es sehr klein, aber es wird heller werden und uns auf den Pfad der Hoffnung lenken. Danke für Ihre großartigen Worte.«

Annäherung unter Fremden

Selbstmordanschläge, Hass, Verblendung. Daneben Fehden Auseinandersetzungen, Konflikte. Wir erleben es täglich. Allein die Fülle derartiger Ereignisse lässt uns glauben, auf unserer Welt überwiegt das Böse, das Kriminelle, das Abgründige. Dem ist nicht so – noch nicht. Viele Menschen überkommen Zweifel. Sie fragen sich: Wo ist das Gute geblieben, das Edle, die Barmherzigkeit der Menschen? Ich habe mich auf die Suche danach begeben.

Schlägen wir eine Zeitung auf oder sehen Nachrichten im Fernsehen, begegnen uns hauptsächlich die Bad-News. Berichte über die guten, die schönen, die edelmütigen Begebenheiten finden sich kaum. Und doch – sie gibt es. Jeder von uns kennt derartige Ereignisse, oft aus dem eigenen Umfeld. Warum aber finden derartige Dinge in unseren Medien nur äußerst selten eine Erwähnung? Vielleicht weil es zu viele davon gibt? Wenn dem so ist, wäre es ein schwacher Trost.

Daneben gibt es auch noch andere Vorgänge. Ein solcher, er liegt schon länger zurück, machte mich fassungslos und wütend zugleich. Ein bekannter, weltweit tätiger Modekonzern bedruckte einen Kinderpullover mit dem Spruch „Coolster Affe im Dschungel“. Um für diesen Pullover zu werben, hatte man ein Werbefoto von einem Jungen mit dunkler Hautfarbe angefertigt. Weshalb, fragte ich mich, tut ein Konzern so etwas? Er muss wissen, dass er damit Millionen von farbigen Menschen zutiefst beleidigt und diese zu Gegenreaktionen geradezu herausfordert. Derartige Werbung als dumm abzutun verbietet sich. Hier wurde gezielt Hass geschürt, Vorgesetzte haben dies mitgetragen – kein Einzelfall. Bleibt nur zu hoffen, dass es viele andere Menschen gibt, die das nicht länger akzeptieren und handeln, indem sie beispielsweise die Verursacher mittels Kaufboykott bestrafen. Das alleine reicht jedoch nicht. Wir brauchen mehr Vorbilder. Menschen, die differenziert denken, die Gewalt ablehnen, die akzeptieren, dass es andere Gesellschaftsformen, andere Religionen und andere Lebensmodelle gibt. Berichte darüber sollten stärker in den Focus von Medien gerückt werden, so wie diese Geschichte, die ich selbst erlebt habe:

  Bevor ich sie erzähle, muss ich vorausschicken, dass ich Lehrer für Deutsch und Geschichte bin und ich neben meinen regulären Schulstunden zusätzlich an zwei Nachmittagen in der Woche junge Flüchtlinge in Deutsch unterrichte. In meinen Kursen sind stets mehrere Nationen vertreten. Seit einiger Zeit überwiegend Syrer, Afghanen, Kurden, Iraker und Nigerianer. In dem Kurs, von dem ich jetzt erzähle, waren neben den bereits erwähnten Nationen auch zwei Sudanesen, ein Somalier und ein Palästinenser vertreten. Eine bunt zusammen gewürfelte Truppe, mit unterschiedlichsten ethnischen Wurzeln. Entsprechend hoch ist das Konfliktpotenzial in einer solchen Klasse. Am Ende des Unterrichts spreche ich mit den schon weiter in der Sprache Fortgeschrittenen noch 45 Minuten über Grundrechte, unsere Verfassung und das Funktionieren unserer Gesellschaft. Gerade in diesen Bereichen bestehen große Wissensdefizite. So ist es nicht verwunderlich, dass bei diesen Diskussionen oft höchst unterschiedliche Positionen aufeinanderprallen.

Kurz vor Beginn der letzten Sommerferien war Aviel neu in meinen Kurs eingestiegen. Aviel ist der Sohn eines jüdischen Konsulatsbeamten, der erst seit kurzem in Deutschland arbeitet. Dessen Familie wohnt in meiner Nachbarschaft. Sein Vater hatte mich gebeten, seinen Sohn mit in den Unterricht zu nehmen. Aviel hatte schon ausreichende Deutsch-Vorkenntnisse, so dass er am Fortgeschrittenenseminar teilnehmen konnte. Auch Hakim, der palästinensische Junge, nahm daran teil. In einer der folgenden Gesprächsrunden sprachen wir über Toleranz, Nächstenliebe und die Ablehnung von Gewalt zur Lösung von Konflikten. Im Verlauf der Diskussion kam es zu einem heftigen Meinungsaustausch zwischen Aviel und Hakim. Diesen hatte ein kurdischer Junge ausgelöst. Er sagte, »Wir stammen doch alle vom gleichen Schöpfer ab. Wir sind ein und dieselbe Spezies, können gleichermaßen denken und fühlen. Warum bekämpfen wir uns dann gegenseitig?«

 »Weil in einigen Kulturen nur Hass auf Andersdenkende gepredigt wird und das sogar von der Geistlichkeit. Dies bekommt man schon von klein auf eingeimpft. Das steckt folglich in einem fest und lässt sich kaum mehr lösen«, meinte ein syrischer Junge. »Schaut euch doch an, ihr verachtet euch doch auch, nur weil es eure Väter tun.« Dabei deutete er auf Aviel und Hakim.

 »Das lass ich nicht gelten«, rief Aviel. »Ich verachte niemand. Wenn Gott oder Allah uns nach seinem Vorbild erschaffen hat, dann müssten wir auch wie Gott denken und fühlen. Dann dürften wir niemals einen anderen Menschen töten. Daher: Jeder Mensch hat einen eigenen Kopf und ein Herz. Er kann nach dem Warum fragen, sich informieren und er kann sein Herz sprechen lassen.«

 »Zu schön, um wahr zu sein«, entgegnete Hakim. »Ich denke, die Mehrheit deiner Landsleute sieht das anders. Das wird sich leider auch in 100 Jahren nicht ändern. Also, was denkst du über mich? In deinen Augen bin ich doch ein minderwertiger, gewaltbereiter Mensch. Du kannst mir doch nicht mal in die Augen sehen.«

 »Woher willst du wissen, dass ich so denke?«, reagierte Aviel aufgebracht. »Ja, es gibt viele Menschen, die Vorurteile gegenüber anderen haben. Leider. Ich kenne dich inzwischen etwas und ich glaube du bist ein ganz patenter Bursche. Zu dieser Erkenntnis bin ich allerdings nur gekommen, weil wir hier etwas gemeinsam machen. Nur das hilft, Vorurteile abzubauen. Folglich müssen wir etwas tun, müssen miteinander reden, um zu verstehen, warum der andere so denkt und fühlt. Wärst du denn dazu bereit?«   »Natürlich. Sonst wäre ich sicher nicht hier. Aber mit reden allein ist es nicht getan. Man muss dem anderen auch mit Würde und Anstand begegnen, so wie unser Lehrer. Er behandelt uns alle gleich.«

 »Schön für euch. Aber in diesem Land gibt es viele Menschen, die euch Flüchtlinge am liebsten wieder zurückschicken würden. Die haben Angst, ihr nehmt ihnen ihren Wohlstand.«

 »Und was ist mit dir? Gilt das nicht auch für dich?«, fragte Hakim.

 »Ich bin kein Flüchtling.«

 »Ah, du bist etwas Besseres. Dann bin ich für dich doch ein Mensch zweiter oder dritter Klasse.« 
 »Entschuldigung. Das wollte ich damit keinesfalls ausdrücken. Ich kann mir vorstellen, was es heißt, um sein Leben fürchten zu müssen und zudem sein gesamtes Hab und Gut zu verlieren. Ich wünsche das keinem Menschen, auch nicht meinem ärgsten Rivalen.«

 »Ich glaube nicht, dass du dir das richtig vorstellen kannst«, antwortete Hakim und ihm schossen dabei Tränen in die Augen. »Ich konnte es mir auch nicht vorstellen. Die Wirklichkeit ist viel schlimmer.«

  Danach schwiegen alle betroffen und es fiel mir schwer die Diskussion weiterzuführen. Deshalb sagte ich: »Lasst uns alle mal über das Gesagte nachdenken. Für heute machen wir Schluss.«

  Aviel stand auf und ging zu Hakim. Er reichte ihm seine Hand und sprach: »Entschuldige. Wenn ich Wunden in dir aufgerissen habe. Das wollte ich keinesfalls. Ich würde dich gerne näher kennenlernen wollen. Deshalb möchte ich dich und deine Familie zu mir nach Hause einladen. Wir sprechen dann darüber, was und warum uns so vieles trennt. Vielleicht verstehen wir uns danach besser. Ich würde es mir wünschen.« 

Veröffentlicht in „Schreibtisch. Literarisches Journal“, Ausgabe 2018

  Ich antwortete dem jungen Mann: »Der Geist, der hinter deinem Wunsch steckt, lässt mich hoffen, dass wir einst Grenzen friedlich überwinden und uns die Hände über Grenzen hinweg zur Versöhnung reichen werden. Eine befestigte Grenzanlage, die dazu dient Kontakte mit Nachbarn auf der anderen Seite zu verhindern, nur weil dort eine andere Kultur gepflegt wird oder ein anderes politisches System besteht, ist etwas absolut Unnatürliches und wird niemals ewig halten. Ich hoffe, es gibt auf dieser Welt viele mutige Menschen, wie dich, die bereit sind, Mauern einzureißen und alte Vorurteile über Bord zu werfen. Diesen Menschen müssen wir helfen und die Botschaft vermitteln, dass wir Freundschaften, weltumspannend, zu anderen Kulturen anstreben. Dafür machen wir unsere Musik. Wir sind davon überzeugt, dass Menschen nicht von Natur aus gewaltbereit sind, sondern es ihnen anerzogen worden ist. Somit lässt es sich ändern. Wir müssen deshalb Friedfertigkeit vorleben, indem jeder von uns unvoreingenommen auf seine Mitmenschen zugeht und sich für Frieden, Freiheit und Nächstenliebe einsetzt. Und wenn wir davon auch andere Menschen überzeugen können, dann werden hoffentlich einst unsere Kinder und Enkel in einer besseren, friedlicheren Welt leben. Wenn wir das erreichen würden, wäre das großartig. Heute haben wir, so denke ich, einen ersten Schritt dazu getan.«
  »Oh, deine Worte verbreiten Hoffnung und Mut zugleich«, begann der junge Mann. Sein Gesichtsausdruck hatte sich schlagartig verändert. Er zeigte sich freudig und mutig zugleich: »Danke! Ich werde meine Freunde ansprechen, um ihnen auch Mut zu machen. Und wenn jeder meiner Freunde wiederum seine Freunde anspricht, dann werden wir eine Lawine lostreten. Zusammen sind wir stark. So stark, dass wir damit den Hass in der Welt überwinden können.« Die Worte und die Einstellung des jungen Mannes hatten mich tief berührt. Ich wünsche mir, dass sein Bemühen nicht durch die vielen Gleichgültigen wieder zunichte gemacht wird. Leider gibt es auch auf unserem Planeten noch immer einige autoritäre und menschenverachtende Systeme, wo selbstherrliche Diktatoren ihr Volk unterdrücken und ausbeuten. Solchen Systemen müssen wir alle entschieden entgegentreten. Dabei darf aber Krieg und Gewalt niemals Mittel zum Zweck sein. In einem Krieg gibt es meist nur viele sinnlose Opfer. Dazu fiel mir ein Gedicht ein, das ein junger Soldat, der in einem unmenschlichen Krieg sein junges Leben lassen musste, einst seiner Mutter geschrieben hatte:
 
Mutter, warum nur hast du mich in diese Welt geboren?
Eine Welt der Verdammnis und Dunkelheit.
Warum nur haben sie so viele Menschen verloren,
die Kraft der Liebe und die Barmherzigkeit?
 
Im Traum sah ich mich die Tore der Hoffnung öffnen,
sah im Lichte ein freies Land.
Kein Hass und keine Verblendung dort regieren,
nur grenzenlose Liebe es umspannt.
 
Dies ist das Land, für das es sich lohnt zu streiten,
nicht mit Waffen, sondern mit Herz und Verstand. 
Und nur gemeinsam können wir das erreichen,
Brüder und Schwestern gebt euch die Hand!
 
Unserer Unterhaltung hatte auch ein in der Nähe stehender älterer Mann zugehört. »Das war großartig«, rief er und kam zu mir. Er war sehr bewegt, als er zu mir sagte, »In Ihren Worten liegt so viel Hoffnung. Sie werden unseren Töchtern und Söhnen Mut machen. Ich muss gestehen, ich hatte diese Hoffnung schon lange verloren, weil wir es in unserem Schmerz verlernt haben, zu verzeihen. Aber wenn wir es fertig bringen, unseren Kindern die Werte der Liebe, der Gewaltfreiheit vorzuleben und sie dazu anhalten, ihren Mitmenschen Achtung und Wertschätzung zu erweisen, dann ist mir nicht mehr bange. Ich sehe bereits das Licht dieses von Ihnen erträumten Landes in der Ferne. Noch ist es sehr klein, aber es wird heller werden und uns auf den Pfad der Hoffnung lenken. Danke für Ihre großartigen Worte.«

Wenn Seelen miteinander verschmelzen

Es war ein traumhaft schöner Tag. Tim und ich gingen zu dem einsam gelegenen See. Als wir die Lichtung erreichten, in deren Mitte der See lag, funkelte die Sonne durch die Bäume, und der Wind streichelte unsere Haut. Um uns schimmerte und leuchtete es, so als würde das Sonnenlicht von tausenden auf dem Boden verstreuten Glassplittern reflektiert. Ich spürte eine magische, beinahe unbändige Kraft, so glücklich war ich. Am Ufer des Sees legten wir uns in das nach Frühling duftende Gras. In dieser wundervollen Stimmung liebten wir uns, träumten und schmiedeten Pläne. Wir malten uns unsere Zukunft so bunt und sonnig, wie die Farben der Natur, die uns zu unseren Träumen inspirierten. Wir erlebten eine Intensität, wie wir sie beide zuvor noch nie erfahren hatten.

So verrann Stunde um Stunde. Am Ende fiel ich in einen Traum, sah uns beide auf einem Floß treiben, mitten in einem Meer aus Blumen, hörte zauberhafte Klänge und sah in helles Licht getauchte Bilder aus einer anderen Welt. Mir war als schwebte ich über den Wolken wie ein Engel, so, wie es sein soll, wenn Seelen miteinander verschmelzen.

Als ich aufwachte, sah ich den Himmel über uns in ein gleisend helles Licht getaucht, eine kleine weiße Wolke hatte sich gerade sanft vor die Sonne geschoben und streute deren Licht über den Nachmittagshimmel.

Am anderen Morgen war Tim schon frühzeitig aufgestanden, ohne mich zu wecken. Er liebte es, mit seinem Motorrad noch vor dem Frühstück auszufahren und die besondere Stimmung des Tagesanbruchs einzufangen. Ich träumte zu diesem Zeitpunkt noch von unserem gestrigen Tag. Mein Traum endete dieses Mal nicht in einem strahlenden Licht sondern ich sah einen dunklen Schatten, der in das Licht emporstieg und es blutrot färbte.

Ich spürte in diesem Moment, dass etwas anders war, glaubte Tim zu sehen, wie er mir zuwinkte, so wie er sich oft von mir verabschiedet hatte. Von einer inneren Unruhe ergriffen, richtete ich unser Frühstück. Jeden Moment müsste Tim zurückkommen. Aber er kam nicht. Ich wartete und wartete. Vergeblich. Erst einige Zeit später kam jemand zu mir und eröffnete mir eine schlimme Nachricht. Ein Autofahrer hatte Tim auf seinem Motorrad übersehen. Er hatte keine Chance auszuweichen.

Inzwischen sind Tage vergangen. Jede Nacht träume ich von unseren glücklichen Stunden am See und schwebe wieder wie ein Engel über den Wolken. Dort sehe ich Tim. Im Traum erlebe ich seine Berührungen, seine Zärtlichkeiten. Viele bunte Farben umspielen meine Seele und die Stille beginnt zu sprechen. Ich spüre neues Leben in mir, Leben, das Tim mir auf diese Weise schenkt.

Ein Traum, der reichen muss für ein ganzes Leben. So gibt es für mich kein Vergessen und das Schöne, das ich erfahren durfte ist immer da. Es wird immer leben, in mir und mit mir und es wird mir ein Lächeln zaubern, auch dann, wenn die Sonne einmal nicht scheint, denn ich weiß, hinter den Wolken ist Tim.
 
Veröffentlicht in „Schreibtisch. Literarisches Journal“, Ausgabe 2017
  Ich antwortete dem jungen Mann: »Der Geist, der hinter deinem Wunsch steckt, lässt mich hoffen, dass wir einst Grenzen friedlich überwinden und uns die Hände über Grenzen hinweg zur Versöhnung reichen werden. Eine befestigte Grenzanlage, die dazu dient Kontakte mit Nachbarn auf der anderen Seite zu verhindern, nur weil dort eine andere Kultur gepflegt wird oder ein anderes politisches System besteht, ist etwas absolut Unnatürliches und wird niemals ewig halten. Ich hoffe, es gibt auf dieser Welt viele mutige Menschen, wie dich, die bereit sind, Mauern einzureißen und alte Vorurteile über Bord zu werfen. Diesen Menschen müssen wir helfen und die Botschaft vermitteln, dass wir Freundschaften, weltumspannend, zu anderen Kulturen anstreben. Dafür machen wir unsere Musik. Wir sind davon überzeugt, dass Menschen nicht von Natur aus gewaltbereit sind, sondern es ihnen anerzogen worden ist. Somit lässt es sich ändern. Wir müssen deshalb Friedfertigkeit vorleben, indem jeder von uns unvoreingenommen auf seine Mitmenschen zugeht und sich für Frieden, Freiheit und Nächstenliebe einsetzt. Und wenn wir davon auch andere Menschen überzeugen können, dann werden hoffentlich einst unsere Kinder und Enkel in einer besseren, friedlicheren Welt leben. Wenn wir das erreichen würden, wäre das großartig. Heute haben wir, so denke ich, einen ersten Schritt dazu getan.«
  »Oh, deine Worte verbreiten Hoffnung und Mut zugleich«, begann der junge Mann. Sein Gesichtsausdruck hatte sich schlagartig verändert. Er zeigte sich freudig und mutig zugleich: »Danke! Ich werde meine Freunde ansprechen, um ihnen auch Mut zu machen. Und wenn jeder meiner Freunde wiederum seine Freunde anspricht, dann werden wir eine Lawine lostreten. Zusammen sind wir stark. So stark, dass wir damit den Hass in der Welt überwinden können.« Die Worte und die Einstellung des jungen Mannes hatten mich tief berührt. Ich wünsche mir, dass sein Bemühen nicht durch die vielen Gleichgültigen wieder zunichte gemacht wird. Leider gibt es auch auf unserem Planeten noch immer einige autoritäre und menschenverachtende Systeme, wo selbstherrliche Diktatoren ihr Volk unterdrücken und ausbeuten. Solchen Systemen müssen wir alle entschieden entgegentreten. Dabei darf aber Krieg und Gewalt niemals Mittel zum Zweck sein. In einem Krieg gibt es meist nur viele sinnlose Opfer. Dazu fiel mir ein Gedicht ein, das ein junger Soldat, der in einem unmenschlichen Krieg sein junges Leben lassen musste, einst seiner Mutter geschrieben hatte:
 
Mutter, warum nur hast du mich in diese Welt geboren?
Eine Welt der Verdammnis und Dunkelheit.
Warum nur haben sie so viele Menschen verloren,
die Kraft der Liebe und die Barmherzigkeit?
 
Im Traum sah ich mich die Tore der Hoffnung öffnen,
sah im Lichte ein freies Land.
Kein Hass und keine Verblendung dort regieren,
nur grenzenlose Liebe es umspannt.
 
Dies ist das Land, für das es sich lohnt zu streiten,
nicht mit Waffen, sondern mit Herz und Verstand. 
Und nur gemeinsam können wir das erreichen,
Brüder und Schwestern gebt euch die Hand!
 
Unserer Unterhaltung hatte auch ein in der Nähe stehender älterer Mann zugehört. »Das war großartig«, rief er und kam zu mir. Er war sehr bewegt, als er zu mir sagte, »In Ihren Worten liegt so viel Hoffnung. Sie werden unseren Töchtern und Söhnen Mut machen. Ich muss gestehen, ich hatte diese Hoffnung schon lange verloren, weil wir es in unserem Schmerz verlernt haben, zu verzeihen. Aber wenn wir es fertig bringen, unseren Kindern die Werte der Liebe, der Gewaltfreiheit vorzuleben und sie dazu anhalten, ihren Mitmenschen Achtung und Wertschätzung zu erweisen, dann ist mir nicht mehr bange. Ich sehe bereits das Licht dieses von Ihnen erträumten Landes in der Ferne. Noch ist es sehr klein, aber es wird heller werden und uns auf den Pfad der Hoffnung lenken. Danke für Ihre großartigen Worte.«

Wunder hinter Wolken

Das ist mein Buch mit Erzählungen, das 2017 erschienen ist. Es enthält 13 Geschichten, die einen mitnehmen und einfach nicht loslassen wollen. Die Geschichten sind ungewöhnlich, spannend und das Ende ist nicht sofort vorhersehbar. Es sind Geschichten, die überall hätten geschehen können. So werden mitunter auch sorgfältig recherchierte Fakten mit fiktiven Handlungssträngen und Charakteren verknüpft. Dabei lege ich großen Wert auf eine fundierte Recherche zu den zeitgeschichtlichen und historischen Fakten. Dies gilt zum Beispiel für die Geschichte „Der Jesusbrief“, die in Armenien spielt. 

Andere Geschichten spielen u.a. im Rhein-Main-Gebiet, in Erfurt, Düsseldorf, Lüneburg und auf einer einsamen Insel im Südpazifik.

Lasst Euch vom Inhalt überraschen!  

Dazu eine kurze Inhaltsbeschreibung zu den 13 Geschichten:

ÜBER SIEBEN BRÜCKEN

Einem jungen Mann, der an einem Freitag, den 13. geboren wurde, klebt jahrelang das Pech in der Liebe an den Fersen. Nach einer erneuten Frustration sucht er Ablenkung auf einem Peter-Maffay-Konzert in Erfurt. Vor dem Konzert beobachtet er in einem Kaufhaus der Stadt, wie eine Kundin ein Buch in ihrer Handtasche verschwinden lässt. Er spricht sie an und fordert sie auf, das Buch wieder zurückzulegen. Kurz darauf kommt es zu einer zweiten Begegnung mit dieser Frau, was eine dramatische Ereigniskette in Gang setzt. In der Handlung kommt auch das Thema Zwangsadoptionen in der ehemaligen DDR zur Sprache.

 DOPPELTES GLÜCK

Auf dem Wiesbadener Weihnachtsmarkt kommt Kai mit einer Gruppe junger Frauen ins Gespräch. Zwei der Frauen bleiben mit ihm bis zum Schluss. Eine der Frauen hat es Kai angetan. Er fragt die beiden ob eine noch mit ihm mitkommen will, in der Hoffnung, die richtige sagt ja. Jetzt wollen beide mitkommen.

 EINE INSEL DER HOFFNUNG

Nach einem durch einen Blitzeinschlag verursachten Steuerungsausfall muss ein Verkehrsflugzeug auf dem Flug von Australien nach Chile mitten im Pazifik notwassern. Nur wenige Passagiere schaffen es auf eine Rettungsinsel. Diese wird auf eine einsame, unbewohnte Insel angelandet. Auf der Insel gibt es allerdings Hinterlassenschaften früherer Bewohner. Die bunt zusammengewürfelte Gruppe muss lange Zeit auf der Insel verbringen. Wie und was dabei alles geschieht erzählt die Geschichte

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 EIN UNGEWÖHNLICHER FALL

Peter Schwarz ist Abteilungsleiter einer Firma und glaubt, eine glückliche, intakte Ehe zu führen. Nachdem eine neue Mitarbeiterin von Peter das Bild seiner Frau auf seinem Schreibtisch gesehen hat, sagt ihm diese, dass die Frau auf dem Bild regelmäßig jemanden in ihrer Nachbarschaft besuchen würde. Ihr schwarzes Mini-Cabrio würde sie an der Straße parken. Peter weiß nichts von derartigen Aktivitäten seiner Frau, allerdings besitzt sie tatsächlich ein solches Cabrio. Ihn beschleicht ein ungutes Gefühl. Er muss der Sache nachgehen und bittet seinen Freund, einen Polizeipsychologen beim LKA, um Hilfe. Dieser findet etwas Unvorstellbares heraus.

 MEIN ERSTES MAL

Ein vierzehenjähriger Junge erlebt sein erstes Mal auf sehr ungewöhnliche Art und Weise mit einer Mitschülerin.

 DAS RENDEZVOUS

Zwei junge Bundeswehrsoldaten, Chris und Tommy, treffen in der Mittagspause in einer Altstadtkneipe von Lüneburg eine Frau. Chris spricht die Frau an, die sich daraufhin angeregt mit den beiden unterhält. Da ihm die Frau Avancen macht, fragt Chris sie, ob sie sich am Abend noch einmal mit ihm treffen würde. Die Frau sagt ja, möchte aber, dass auch Tommy mitkommt. Das Rendezvous fällt allerdings anders aus, als geplant.

 GEFÄHRLICHE LIEBE

Marco, ein junger Mann, lernt in der S-Bahn nach Frankfurt, eine junge Frau kennen. In Frankfurt hat Marco gerade ein Volontariat in der Redaktion einer namhaften Zeitung begonnen. Auch die junge Frau arbeitet erst wenige Tage in Frankfurt. Die beiden verlieben sich. Als das Mädchen ihn wenige Tage später ihren Eltern vorstellt, zeigt sich, dass die Familie abgeschirmt in einer feudal eingerichteten Villa lebt. Wenige Tage später geschieht etwas dramatisches, das das Leben von Marco auf den Kopf stellt.

  AUF DEM HOCHSTEIN

Ronny besteigt in München den ICE nach Frankfurt. Ihm gegenüber sitzt eine Frau, die einen sehr traurigen Eindruck macht. Er kommt mit ihr ins Gespräch und erfährt, dass sie das gleiche Reiseziel haben. Die Frau öffnet Ronny ihr Herz und erzählt ihm von ihrer bevorstehenden Scheidung und wie es dazu kam. Ronny, der ebenfalls eine schlimme Beziehung hinter sich hat, aktuell aber wieder in einer glücklichen Beziehung lebt, kennt die Situation. Ihm hatte damals eine Wandertour mit einem Freund geholfen, auf andere Gedanken zu kommen. Er erzählt der Frau dies. Diese findet die Idee gut und bittet Ronny, sie zu begleiten.

 EINE FÜGUNG DES SCHICKSALS

Ein Mann wird auf einer Infoveranstaltung über Fondsanlagen von einer Frau angesprochen, die sagt, er würde ihrem Gatten unglaublich ähnlich sehen. Sie berichtet ihm, dass ihr Mann seinen leiblichen Vater nicht kennt und erzählt dazu eine skurrile Geschichte, die sich im August 1939, wenige Tage vor Ausbruch des 2. Weltkrieges, ereignet hatte. Der Angesprochene kann nicht ausschließen, dass sein bereits verstorbener Vater beteiligt war. Er stellt deshalb eigene Nachforschungen an, mit am Ende für beide Seiten überraschenden Ergebnissen.

 VERSCHLUNGENE WEGE

Als sich nach 16 Ehejahren Mikes Frau Knall auf Fall von ihm trennt, muss Mike sein Leben radikal ändern. Dazu braucht er einen neuen, weniger Zeit beanspruchenden Job. Noch bevor es dazu kommt, lädt ihn seine Kollegin Julia Maifelder zu einem Konzertbesuch nach Saarbrücken ein. Mike nimmt die Einladung an und verbringt mit Julia ein in jeder Hinsicht ungewöhnliches Wochenende in Saarbrücken. Kurz danach verschwindet Julia jedoch aus seinem Leben und für Mike beginnt eine turbulente Zeit mit einigen spektakulären Überraschungen.

 DER JESUSBRIEF 

Tommy, ein Geologe und Archäologe findet im Geheimarchiv des Vatikans einen Hinweis auf eine geheime Templerburg in Armenien. Dort soll sich einst die Bundeslade befunden haben. Mit einem Forschungsauftrag ausgestattet fährt er mit einem Kollegen nach Armenien. Die beiden suchen zunächst im Matenadaran, dem nationalen Handschriftenarchiv nach weiteren Informationen. Tatsächlich finden sie dort einen Hinweis auf eine von abendländischen Rittern errichtete Festungsanlage, jedoch keine Ortsangabe. Zusammen mit einem armenischen „Kollegen“ begeben sie sich auf eine Tour durch das Land. Tommy erlebt dabei einige unvergessliche Begegnungen, aber auch herbe Enttäuschungen. Am Ende findet er in einem verborgenen Kellerraum einer alten Dorfkirche etwas Einmaliges: Einen Brief, den Jesus kurz vor seinem Tod einem seinem Jünger Johannes zukommen lässt. Johannes, der daraufhin nach Jerusalem kommt, schreibt danach einen Bericht über die der Kreuzigung folgenden Ereignisse. Darin stellt er die Sachverhalte jedoch in weiten Teilen anders dar, als aus dem Neuen Testament bekannt.

Diese Geschichte ist eine Begebenheit, die auch in meinem Romanprojekt „Das Geheimnis um das silberne Marderkopf-Amulett“ eine Rolle spielt.

 MEINE BESTEN FREUNDE

Die Geschichte handelt von einem Mann und seinen beiden besten Freunden, die eine sehr enge Freundschaft pflegen und viel zusammen unternehmen. Auch später, als alle drei verheiratet sind, bleibt diese Freundschaft bestehen. Das ändert sich jedoch schlagartig, als die Ehe einer der Freunde geschieden wird.

 EINE HELDIN DES ALLTAGS

Handelt von einer Frau, die sich während ihrer langjährigen Ehe die meiste Zeit selbstlos um Angehörige gekümmert hatte. Zudem musste sie sich daneben im eigenen landwirtschaftlichen Betrieb auch noch um die Tiere kümmern und Feldarbeiten verrichten. Eine immense und großartige Leistung. Über allem findet sie nicht die Zeit, an sich selbst zu denken. Es gibt sicherlich viele Frauen, die ähnliches geleistet haben. Ihre Lebensleistung findet in der Öffentlichkeit leider so gut wie keine Aufmerksamkeit, geschweige denn Anerkennung. Diesen Menschen ist diese Geschichte gewidmet.

  Ich antwortete dem jungen Mann: »Der Geist, der hinter deinem Wunsch steckt, lässt mich hoffen, dass wir einst Grenzen friedlich überwinden und uns die Hände über Grenzen hinweg zur Versöhnung reichen werden. Eine befestigte Grenzanlage, die dazu dient Kontakte mit Nachbarn auf der anderen Seite zu verhindern, nur weil dort eine andere Kultur gepflegt wird oder ein anderes politisches System besteht, ist etwas absolut Unnatürliches und wird niemals ewig halten. Ich hoffe, es gibt auf dieser Welt viele mutige Menschen, wie dich, die bereit sind, Mauern einzureißen und alte Vorurteile über Bord zu werfen. Diesen Menschen müssen wir helfen und die Botschaft vermitteln, dass wir Freundschaften, weltumspannend, zu anderen Kulturen anstreben. Dafür machen wir unsere Musik. Wir sind davon überzeugt, dass Menschen nicht von Natur aus gewaltbereit sind, sondern es ihnen anerzogen worden ist. Somit lässt es sich ändern. Wir müssen deshalb Friedfertigkeit vorleben, indem jeder von uns unvoreingenommen auf seine Mitmenschen zugeht und sich für Frieden, Freiheit und Nächstenliebe einsetzt. Und wenn wir davon auch andere Menschen überzeugen können, dann werden hoffentlich einst unsere Kinder und Enkel in einer besseren, friedlicheren Welt leben. Wenn wir das erreichen würden, wäre das großartig. Heute haben wir, so denke ich, einen ersten Schritt dazu getan.«
  »Oh, deine Worte verbreiten Hoffnung und Mut zugleich«, begann der junge Mann. Sein Gesichtsausdruck hatte sich schlagartig verändert. Er zeigte sich freudig und mutig zugleich: »Danke! Ich werde meine Freunde ansprechen, um ihnen auch Mut zu machen. Und wenn jeder meiner Freunde wiederum seine Freunde anspricht, dann werden wir eine Lawine lostreten. Zusammen sind wir stark. So stark, dass wir damit den Hass in der Welt überwinden können.« Die Worte und die Einstellung des jungen Mannes hatten mich tief berührt. Ich wünsche mir, dass sein Bemühen nicht durch die vielen Gleichgültigen wieder zunichte gemacht wird. Leider gibt es auch auf unserem Planeten noch immer einige autoritäre und menschenverachtende Systeme, wo selbstherrliche Diktatoren ihr Volk unterdrücken und ausbeuten. Solchen Systemen müssen wir alle entschieden entgegentreten. Dabei darf aber Krieg und Gewalt niemals Mittel zum Zweck sein. In einem Krieg gibt es meist nur viele sinnlose Opfer. Dazu fiel mir ein Gedicht ein, das ein junger Soldat, der in einem unmenschlichen Krieg sein junges Leben lassen musste, einst seiner Mutter geschrieben hatte:
 
Mutter, warum nur hast du mich in diese Welt geboren?
Eine Welt der Verdammnis und Dunkelheit.
Warum nur haben sie so viele Menschen verloren,
die Kraft der Liebe und die Barmherzigkeit?
 
Im Traum sah ich mich die Tore der Hoffnung öffnen,
sah im Lichte ein freies Land.
Kein Hass und keine Verblendung dort regieren,
nur grenzenlose Liebe es umspannt.
 
Dies ist das Land, für das es sich lohnt zu streiten,
nicht mit Waffen, sondern mit Herz und Verstand. 
Und nur gemeinsam können wir das erreichen,
Brüder und Schwestern gebt euch die Hand!
 
Unserer Unterhaltung hatte auch ein in der Nähe stehender älterer Mann zugehört. »Das war großartig«, rief er und kam zu mir. Er war sehr bewegt, als er zu mir sagte, »In Ihren Worten liegt so viel Hoffnung. Sie werden unseren Töchtern und Söhnen Mut machen. Ich muss gestehen, ich hatte diese Hoffnung schon lange verloren, weil wir es in unserem Schmerz verlernt haben, zu verzeihen. Aber wenn wir es fertig bringen, unseren Kindern die Werte der Liebe, der Gewaltfreiheit vorzuleben und sie dazu anhalten, ihren Mitmenschen Achtung und Wertschätzung zu erweisen, dann ist mir nicht mehr bange. Ich sehe bereits das Licht dieses von Ihnen erträumten Landes in der Ferne. Noch ist es sehr klein, aber es wird heller werden und uns auf den Pfad der Hoffnung lenken. Danke für Ihre großartigen Worte.«

Lyrick

Herbstzeit

4. Oktober

Wo des Sommers bunte Blumen welken,

kriecht Nebel über Wald und Feld.

Auch die Sonne bricht schon viel zu selten,

in des Herbstes kühle Welt.

 

Einsam steht die alte Eiche,

vor einem Turm, am Waldesrand.

Vom ersten Sturm gezerrt die Zweige,

des Nachts verschleiert vom Nebelgewand.

 

8. November

Tanzend fallen herab die Blätter,

abgeschüttelt hat’s der kalte Wind.

Des Baumes Kleid wird täglich lichter,

behutsam scheint’s, doch es geht geschwind.

 

Und wenn nach dieser frostig kalten Nacht,

im seidenen Glanz die Eiche darf sich zeigen,

erfreut ein jeder sich dieser Pracht.

die nur der Herbst kann zeichnen.

 

12. Dezember

Der erste Schnee fiel in der Nacht.

Der Baum im weißen Kleid sich zeigt.

Er funkelt und glitzert, oh welche Pracht,

doch leider nur für kurze Zeit.

 

Sein Glanz, schon bald war er entschwunden,

ein letztes Blatt, verblieb am dünnen Stiel.

Man glaubt, es wäre fest gebunden,

so mutig flattert es im Windes Spiel.

 

21. Dezember

Stürme brausen über Berg und Tal,

so zieht der Herbst von dannen.

Kein Blatt mehr hängt mit einem Mal,

am Baum, dem gänzlich kahlen.

Wie ein Traum

Silbern glänzend steht der volle Mond am Himmel,

kleine Wolken, zuweilen, sie ziehen an ihm vorbei.

Kann so genießen, diesen wundervollen Augenschein,

er taucht mich ein, in die Unendlichkeit des Seins.

 

Danach verweile ich am Ufer eines Flusses.

Dort umströmt mich der Wellen Klang.

In der Tiefe blauschwarze Strudel kreisen,

von sich gebend einen betörenden Gesang.

 

Es leuchtet, blinkend überm Firmament.

Sterne, Sternchen tausendfach.

Welch glanzvolle Pracht, die staunend mich ergreift,

was sonst nur ein Traum, mir hätte gereicht.

 

Um mich beginnt das Leben neu zu erwachen.

Erst unmerklich, dann, sanft sich ausbreitend.

Es summt, es brummt, es zwitschert und zirpt,

immer bunter und lauter es für sich wirbt.

 

Es folgt ein Crescendo des beginnenden Morgens.

Nie gleich, sondern stets neu komponiert.

Ich vernehme den Klang der himmlischen Harfe,

vom rötlich schimmernden Firmament serviert.

 

So lausche ich der Vielfalt der Stimmen der Nacht.

Sie klingenrein und unverfälscht,

fast mystisch, wie aus einer anderen Welt.

Sie werden schwächer, als das Licht den Morgen erhellt.

 

Schon fühle ich die Wärme der aufgehenden Sonne.

Ihre Strahlen erwecken in mir neue Kraft.

Sie wirken wie ein Zaubertrank des Lebens,

vorbei ist mein Traum der Nacht.

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